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Protest gegen die Vertreibung der Ungarndeutschen

BRIEF DER UNGARISCHEN BISCHÖFE, AUGUST 1947


In vielen europäischen Staaten hat es Menschen und Institutionen gegeben, die sich bei Kriegsende gegen eine Kollektivschuld und die Vertreibung der Deutschen ausgesprochen haben. Heute ist darüber wenig bekannt. Das hat nicht zuletzt mit einer fehlenden Quellensammlung zu tun.
In eine solche Quellensammlung würde auch der Brief der ungarischen Bischöfe an den ungarischen Ministerpräsidenten vom 8. August 1947 gehören. Der ungarische Fürstprimas, Kardinal Joseph Mindszenty, protestierte nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit dem ungarischen Episkopat energisch gegen die Vertreibung der Ungarndeutschen. Zwei Monate später veröffentlichte er gar einen Hirtenbrief zum Thema.

Die Verwendung des Briefs „Protest gegen die Aussiedlung der Deutschen“ vom 8. August 1947 wurde uns von der Ungarischen Katholischen Bischofskonferenz freundlich genehmigt.
In Westdeutschland wurde der Brief im „Weißbuch. Vier Jahre Kirchenkampf in Ungarn“, S. 94-96, abgedruckt. Das Buch erschien 1949 im Hamburger „Drei Türme Verlag“, der 1953 aus dem Handelsregister gelöscht wurde. Herausgegeben wurde das Buch im Auftrag von Kardinal Joseph Mindszenty.
Kardinal Joseph Mindszenty Bildrechte: Magyarországi Mindszenty Alapítvány (Ungarische Mindszenty-Stiftung), Budapest
Kardinal Joseph Mindszenty, Fürstprimas von Ungarn (1945-1973)
Als Bischof von Veszprém protestierte Joseph Mindszenty 1944 gegen die Deportation der ungarischen Juden. Im Frühjahr 1945 wurde er vom Vatikan zum Erzbischof von Esztergom und damit zum Fürstprimas von Ungarn ernannt. 1946 wurde Joseph Mindszenty in das Kardinalskollegium aufgenommen.

Mindszenty trat gegen die Errichtung einer kommunistischen Diktatur in Ungarn ein, 1948 wurde er deshalb verhaftet und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Während des Volksaufstands 1956 wurde Kardinal Mindszenty aus dem Gefängnis befreit, nach der Niederschlagung des Aufstands flüchtete er in die Botschaft der USA, wo er bis 1971 Botschaftsasyl erhielt. Es folgte seine Ausreise nach Wien, wo er, vom Vatikan inzwischen als Fürstprimas abgelöst, im Jahr 1975 verstarb. Kardinal Mindszenty wurde in Mariazell (Steiermark) beigesetzt, beim als Magna Domina Hungarorum verehrten Gnadenbild der Muttergottes. Seinem Wunsch entsprechend, wurden seine sterblichen Überreste 1991 in das nun freie Ungarn nach Esztergom überführt.

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Verbindungsbüro zur Niedersächsischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebenen, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler

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