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Weihnachtsbrief der Landesbeauftragten 2021



Sehr geehrte Damen und Herren,

zu den guten Traditionen eines ausklingenden Jahres gehört ein Rückblick. Der Respekt vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft verleihen uns dabei die notwendige Orientierung. Die Advents- und Weihnachtszeit bietet mit ihren langen Abenden die beste Gelegenheit, innezuhalten und über das nachzudenken, was uns antreibt und Hoffnung schenkt.

Das Jahr 2021 war erneut ein schwieriges. Zwischen pandemiebedingtem Lockdown, gesellschaftlichen Lockerungen und abermaligem Ansteigen des Infektionsgeschehens galt es, auch für meine Arbeit als Niedersächsische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler in einen neuen Normalbetrieb zu finden. Angesichts der zahlreichen Videokonferenzen und Telefonschalten habe ich die persönlichen Begegnungen mit Ihnen, die vor allem im Sommer und Frühherbst möglich waren, intensiv und dankbar erlebt.

Im März jährte sich die Volksabstimmung über den Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland zum hundertsten Mal, im August der Jahrestag des Mauerbaus zum sechzigsten Mal.
Ende August würdigten wir den achtzigsten Jahrestag der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion mit einer Diskussionsveranstaltung im Niedersächsischen Landtag, an der neben jungen Landtagsabgeordneten auch junge Vertreter der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland teilnahmen.

Das fünfundsiebzigste Jubiläum der Landesgründung Niedersachsens vor wenigen Wochen war Anlass für die Ausstellung „Vom Ihr zum Wir“, die Ende Oktober in der Portikushalle des Niedersächsischen Landtags eröffnet wurde. Die Ausstellung erzählt von dem großen Beitrag der deutschen Heimatvertriebenen zum Wiederaufbau Niedersachsens. Sie ist Teil des Projekts „Herkunft.Heimat.Heute.“, einem Projekt für die Zukunft der ostdeutschen Heimatsammlungen in Niedersachsen, das wir in Zusammenarbeit mit dem Museumsverband für Niedersachsen und Bremen angeschoben haben und begleiten.
Unsere letzte Veranstaltung in diesem Jahr war der Heimatvertriebenengottesdienst in der Marktkirche Hannover, er wurde vom Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, geleitet. An diesem Gottesdienst wirkten Vertreter aus drei Generationen mit. Es war eine berührende Feierstunde, an die ich noch lange denken werde.

Die Jugend ist mir eine Herzenssache. Deshalb haben wir im September zum zweiten Mal junge Erwachsene aus Spätaussiedlerfamilien für ihr gesellschaftliches Engagement mit dem Preis „Angekommen!“ ausgezeichnet. Außerdem haben wir einen Nachwuchspreis ausgelobt, der für Sechzehn- bis Dreißigjährige gedacht ist, die sich mit den Schicksalen der deutschen Heimatvertriebenen beschäftigen. Die für Dezember geplante Verleihung dieses Nachwuchspreises mussten wir wegen der hohen Corona-Zahlen verschieben, sie soll nun am 12. Mai 2022 stattfinden.

Wie unzählige andere flüchtete auch die achtjährige Karla Müller mit ihrer Familie Anfang 1945 aus ihrer hinterpommerschen Heimat. Über Mecklenburg gelangte die Familie nach Ostfriesland. Die Zeit war entbehrungsreich, Geld für Spielzeug nicht vorhanden. Zum Weihnachtsfest 1946, vor 75 Jahren, bekam Karla Müller eine liebevoll selbstgenähte Puppe aus Stoffresten geschenkt. Heute befindet sich die Puppe in der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld, die in Norden eine Dauerausstellung zur Ankunftsgeschichte der Flüchtlinge und Vertriebenen in Niedersachsen und Nordwestdeutschland präsentiert. So wie der Osteroder Weihnachtsteller und Rübezahl in den vergangenen Jahren lässt sich auch die Stoffpuppe von Karla Müller aus der beiliegenden Karte lösen und mit dem dazugehörigen Bändchen an Ihren Tannenbaum hängen.
Wenn Sie der Weg des Flüchtlingsmädchens Karla Müller interessiert, finden Sie seine Geschichte auf unserer Website (https://lbhs.niedersachsen.de) als Hörbeitrag 7 im Menüpunkt „Geschichte fürs Ohr“.

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Unsere Herzen öffnen sich und wir erkennen, was wirklich wichtig ist. Lassen Sie uns in dieser schwierigen Zeit an alle denken, denen die Pandemie Trauer, Sorgen und Ängste gebracht hat. Lassen Sie uns achtsam durch diesen Winter gehen und einander nah sein, auch wenn wir uns nicht begegnen können.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich gesegnete Weihnachten und ein frohes neues Jahr 2022.

Ihre

Editha Westmann



Hannover, im Dezember 2021

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Verbindungsbüro zur Niedersächsischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebenen, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler

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